Wir haben es im Business Coaching seit einiger Zeit mit einer neuen Entwicklung zu tun, deren Ausmaß vielen noch gar nicht bewusst ist: Der Einsatz von KI im Coaching. Es folgt der Erlebnisbericht meines Kunden Stefan H. (42), der als IT-Leiter in einem mittelständischen Unternehmen Offenheit für technische Entwicklungen mitbringt. Ich habe ihn gebeten, seine persönlichen Erfahrungen zusammenzufassen:
„Als ich für mich die Entscheidung getroffen hatte, mich beruflich neu auszurichten, war für mich klar: Unterstützung muss her. Die Anforderungen meines Jobs haben sich verändert, der Druck ist gestiegen und die eigenen Ansprüche sind hoch. Ein Business-Coaching schien der logische Schritt.
Doch statt direkt einen „klassischen“ Coach zu engagieren, wählte ich zunächst einen anderen - modernen Weg: Coaching mit Künstlicher Intelligenz.
Die Faszination der KI
Die Gründe für diese Entscheidung sind klar – gerade für mich als IT-affinen Menschen: KI-gestützte Coaching-Tools versprechen rund um die Uhr Verfügbarkeit, keine Wartezeiten, geringere Kosten und Neutralität. Keine Bewertung, keine zwischenmenschlichen Spannungen, kein „Sich erklären müssen“. Und: Ich war auch neugierig.
Zu Beginn war ich beeindruckt. Die KI stellte strukturierte Fragen, half mir, Ziele zu formulieren, Prioritäten zu setzen und sogar Denkmuster zu erkennen. Die Antworten waren klar und logisch. Ich hatte das Gefühl, gut voranzukommen.
Und doch fehlte etwas.
Der fehlende Resonanzraum
Mit der Zeit merkte ich, dass die Gespräche zwar produktiv, aber auch irgendwie „flach“ waren. Die KI reagiert, aber sie spürt nicht. Sie analysiert, aber sie lebt nicht mit. Besonders in Momenten, in denen ich ins Stocken geriet oder emotionale Themen berührt wurden – Konflikte im Team, Selbstzweifel, Unsicherheiten – wirkte das KI-System plötzlich distanziert.
Was mir fehlte, war nicht die Antwort. Es war das Gegenüber.
Ein Mensch, der zwischen den Zeilen hört. Der nachfragt, wenn etwas unausgesprochen bleibt. Der auch mal irritiert ist oder einfach nur still bleibt und Raum gibt.
Die Entscheidung für den Menschen
Nach einigen Wochen zog ich Bilanz. Die KI hatte mir geholfen, Struktur in meine Gedanken zu bringen und erste Klarheit zu gewinnen. Doch für den nächsten Schritt – die echte Veränderung – reichte das nicht.
Ich entschied mich, mit einem erfahrenen Business Coach zu arbeiten.
Schon in der ersten Sitzung wurde mir der Unterschied deutlich. Die Dynamik war eine andere. Das Gespräch entwickelte sich organisch, nicht linear. Es entstanden neue Perspektiven – nicht nur durch Fragen, sondern durch Beziehung. Ich fühlte mich gesehen, nicht nur verstanden.
Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch
Rückblickend bewerte ich meine Erfahrung mit der KI nicht als Fehler. Im Gegenteil: Sie war ein sinnvoller Einstieg, eine Art Vorbereitung. Doch sie konnte das menschliche Coaching nicht ersetzen.
Mein Fazit: KI kann ein starkes Werkzeug im Coaching-Prozess sein – besonders für Reflexion, Struktur und kontinuierliche Begleitung. Aber wenn es um Tiefe, emotionale Entwicklung und echte Transformation geht, bleibt der Mensch unersetzlich.
Oder anders ausgedrückt: Die KI hat mir geholfen, bessere Fragen zu stellen. Mein Coach hilft mir, ehrliche Antworten zu finden.“
Soweit der Erfahrungsbericht von Stefan H.
Für uns Business Coaches gilt somit: Die KI ist kein Feind, sondern eine sinnvolle Ergänzung und Unterstützung des Coaching-Prozesses. Wir tun also gut daran, uns selbst mit diesem Thema näher zu befassen – auch im Interesse unserer Kundinnen und Kunden!